Die Ansprüche könnten nicht höher sein: Befreit vom ideologischen Ballast soll in der Landesausstellung in Trier zu seinem 200. Geburtstag am 5. Mai ein authentischer Karl Marx gezeigt werden. Also ein Marx ohne Marxismus, Leninismus, Stalinismus oder Maoismus. Das kündigte die wissenschaftliche Leiterin der Ausstellung, Beatrix Bouvier, Historikerin und frühere Leiterin des Trierer Karl-Marx-Hauses, gestern in Mainz an. „Karl Marx 1818-1883. Leben. Werk. Zeit.“ im Rheinischen Landesmuseum Trier ist eine von vier Ausstellungen, die parallel in der Geburtsstadt des Philosophen zu sehen sein werden. Gezeigt wird die Erstausgabe von „Das Kapital“, ein Weltkulturerbe. „Wir gehen davon aus, dass der Pulverdampf des Kalten Krieges verflogen ist“, sagt Bouvier. Deshalb sei eine historisch-kritische Würdigung der ebenso umstrittenen wie streitbaren Persönlichkeit möglich. Oder, wie es Kulturstaatssekretär Salvatore Barbaro (SPD) ausdrückt: „Wir gehen davon aus, dass am Ende des Jahres ein anderes Karl-Marx-Bild stehen wird als am Anfang.“ Barbaro ist Aufsichtsratschef der Karl-Marx-Ausstellungs GmbH. Von den Kosten in Höhe von fünf Millionen Euro steuernder Bund 1,5 Millionen, das Land750.000 und die Stadt 250.000 Euro bei. Die Zweite im Reigen der Ausstellungsmacher, die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung, putzt das Karl-Marx-Haus zur Geburtstagsfeier heraus. Frisch renoviert zieht in das Geburtshaus des Autors eine neu konzipierte Ausstellung ein, kündigt der Stiftungs-vorsitzende, der frühere Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), an. Als neues Exponat hat die Stiftung zum Beispiel den Lesesessel des Philosophen, der auch sein Sterbesessel war, aus dem Besitz der Nachfahren erhalten. Investiert wurden in die Renovierung und in die Ausstellung insgesamt eine Million Euro. Die Stadt Trier zeigt im Stadtmuse-um Simeonstift die Ausstellung „Stationen eines Lebens“. Wichtige Aufenthaltsorte von Karl Marx waren London und Paris. Und schließlich beteiligt sich das Bistum Trier an der Würdigung des großen Sohnes der Stadt: Die Ausstellung „LebensWert Arbeit“ soll den Konflikt beleuchten zwischen „Arbeit und Kapital angesichts der strukturellen Überlegenheit des Kapitals“, sagte Domprobst Werner Rössel. Zum Geburtstag wird außerdem die umstrittene 5,50 Meter hohe Karl-Marx-Statue enthüllt, ein Geschenk Chinas an die Stadt. Der chinesische Künstler Wu Weishan fertigt sie der-zeit in der Volksrepublik an, im Märzerwartet Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) sie in Trier. Der künftige Standort der Statue auf dem Simeon-stiftsplatz soll eine Blickachse zum Wohnhaus der Familie Marx bilden. Dieses Wohnhaus ist in Privatbesitz, im Erdgeschoss befindet sich ein Ein-Euro-Shop.

Quelle: DIE RHEINPFALZ 22/2018 / https://www.rheinpfalz.de/nachrichten/kultur/artikel/marx-entideologisiert