Im Dezember 2018 hat der Deutsche Bundestag beschlossen, das Personenstandsrecht hinsichtlich der Eintragung von Geschlechtern um das Merkmal „divers“ zu erweitern. Diese Neuregelung zielt insbesondere auf intersexuelle Menschen, deren Körper keine eindeutig weibliche oder männliche Geschlechtsausprägung zeigt. Sollte das nicht bereits bei der Geburt, sondern erst später festgestellt werden, ist eine nachträgliche Änderung bei Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung möglich.
Soweit, so gut. Denn in der Tat haben es die Betroffenen nicht leicht. Sie leiden nicht nur unter der Uneindeutigkeit ihrer Geschlechtsidentität, sondern oft auch unter mangelnder Akzeptanz und fehlendem Respekt der Gesellschaft. Es ist daher die persönliche Verpflichtung jedes Einzelnen, solchen Menschen respektvoll zu begegnen. Und es ist die Aufgabe des Staates, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die ihnen ein menschenwürdiges Leben erlauben.
Genau dabei aber beginnen die Probleme. Wie gehen wir mit dieser Unterschiedlichkeit um? Wie werden wir einer kleinen Minderheit gerecht, ohne die große Mehrheit über ein vertretbares Maß hinaus zu belasten? Können wir es verantworten, hier Ressourcen zu verbrauchen, die dann an anderer Stelle fehlen? Und ist es überhaupt zielführend für eine inklusive Politik, gerade das Anderssein zu betonen und dies auch bis in die kleinsten Strukturen des öffentlichen Lebens hinein sichtbar zu machen?
Meine Damen und Herren, in der vergangenen Woche hat der Südwestrundfunk unter der Überschrift „Ein drittes Geschlecht mit diversen Auswirkungen“ darüber berichtet, welche komplexen Fragen die konkrete Umsetzung des geänderten Personenstandsrechts in andere Rechtsbereiche und das Verwaltungshandeln hat. Die korrekte Ausschreibung von Stellen ist dabei noch das kleinste Problem. Viel schwieriger sind andere Fragen: Wie sind etwa Diverse im Strafvollzug zu behandeln? Was bedeutet ein drittes Geschlecht für die Ausstattung von öffentlichen Gebäuden oder Schulen? Müssen wir jetzt überall neue Toilettenanlagen für diese Menschen bauen? Inwieweit muss im Sportunterricht auf sie Rücksicht genommen werden? Werden demnächst Quoten nicht nur für Frauen, sondern auch für Diverse gefordert? Was wird alles gerichtlich eingeklagt? Mit welchen Kosten ist das für die Steuerzahler verbunden? Und wie gehen wir mit den Menschen um, die sich nicht dem dritten, sondern einem von bis zu 60 anderen Geschlechtern zugehörig fühlen, die es laut Genderforschung gibt?
Meine Damen und Herren, wir stehen zur Zeit vor riesigen Herausforderungen, die die Zukunft unseres Landes ernsthaft bedrohen. Wir haben eine Schuldenlast von fast 2 Billionen Euro allein im Bund, wir erleben eine Einwanderung in unsere Sozialsysteme, wir haben eine demographische Entwicklung, die zu eklatantem Fachkräftemangel, kaum lösbaren Rentenproblemen und Pflegenotstand führt, wir beklagen zunehmende Bildungsdefizite und einen Zerfall unserer Familienstrukturen: all diese existenziellen Probleme treiben die Menschen in unserem Land um, für all das erwarten sie nachhaltige Lösungen von denen, die sie regieren. Und was tut die Politik? Sie beschäftigt sich, angetrieben von rot-grünen Ideologen unter fleißiger Mithilfe einer vom Zeitgeist getriebenen Union mit fragwürdigen Genderprojekten, Gleichstellungsplänen, Quotenregelungen, geschlechtergerechter Sprache und anderer staatlich verordneter Sozialklempnerei. Dafür, meine Damen und Herren, hat die große Mehrheit der Menschen in unserem Land absolut kein Verständnis mehr.
Natürlich wird jetzt der Vorwurf kommen, wer den ganzen Zumutungen und Verrücktheiten, die Genderideologen uns aufzuzwingen versuchen, nicht zustimme, der diskriminiere und grenze aus. Aber eine solche Behauptung ist nichts anderes als der Versuch, eine rationale Debatte über den gerechten Ausgleich unterschiedlicher Interessen zu unterdrücken. Ja, wir brauchen einen toleranten und respektvollen Umgang mit Menschen, die in welcher Form auch immer der Norm nicht entsprechen. Wenn aber die Politik die Ansprüche kleiner und kleinster Minderheiten in einer Art und Weise in den Fokus rückt, die finanziell und kulturell zu Lasten der großen Mehrheit geht, wenn sie Diversität mit geradezu fanatischem Eifer und staatlichem Zwang bis in die letzten Strukturen gesellschaftlichen Lebens herunterzubrechen versucht, dann läuft etwas schief in unserem Land. Das beginnt bei der Zerstörung unserer gewachsenen Sprache durch Gendersterne und andere grammatikalische Grausamkeiten und endet bei staatlichen Quotenregelungen für alle Lebensbereiche.
Wir werden diesen ideologisch motivierten Irrweg nicht mitgehen. Nicht die Spaltung in Männer, Frauen, Diverse oder was auch immer, nicht das Ausspielen verschiedener Geschlechter gegeneinander, sondern die Verantwortung für alle sollte oberste Maxime unseres Handelns sein. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

2.Runde
Herr Präsident, meine Damen und Herren, ich möchte meine vorherigen Ausführungen noch durch einige konkrete Beispiele ergänzen. Diese Beispiele zeigen, welche grotesken Auswirkungen es hat, wenn Ideologen eine vermeintliche Geschlechterdiskriminierung mit deutscher Gründlichkeit beseitigen wollen. So hat die Stadt Trier im Jahr 2017 – im Übrigen mit den Stimmen der CDU-Fraktion – einen Gleichstellungsplan beschlossen, in dem es als Ziel ausgegeben wird, den deutlich unter 50% liegenden Anteil der Frauen im einfachen Dienst zu erhöhen. Man will also im Namen der Gleichstellung tatsächlich Maßnahmen ergreifen, um mehr Frauen für die am schlechtesten bezahlten Jobs bei der Stadtverwaltung zu gewinnen. Welch ein Irrsinn!
Oder nehmen wir die bayerische Gemeinde Pullach: hier soll jetzt in einer Grundschule eine dritte Toilette für „diverse Kinder“ eingerichtet werden. Hat jemand mal darüber nachgedacht, zu welchem Spießrutenlaufen das für die wenigen betroffenen führen wird? Welche Ausgrenzung damit in einem Alter verbunden ist, in dem alle einfach nur dazu gehören wollen?
Oder nehmen wir den Leitfaden der Stadt Hannover für eine geschlechtergerechte Amtssprache. Hier wird unter anderem empfohlen, auf die Anreden Herr und Frau ganz zu verzichten oder ein substantiviertes Partizip Präsens wie „Mitarbeitende“ unter Missachtung seiner genuinen Bedeutung auch für diejenigen zu verwenden, die längst im wohlverdienten Feierabend sind.
Diese Liste, meine Damen und Herren, ließe sich nahezu beliebig fortsetzen. Und wenn es nach den linken und grünen Ideologen geht, die jedem selbst überlassen wollen, welchem Geschlecht er, sie oder es sich gerade zugehörig fühlt, dann wird dieser Wahnsinn auch so schnell kein Ende finden. Lassen Sie mich deshalb mit einer Aussage des jüdischen Publizisten Henryk M. Broder schließen, der erst vor wenigen Tagen in einer Podiumsdiskussion beklagt hat, in Deutschland rede man nicht über die wirklichen Probleme, sondern erfinde künstliche wie etwa die genderneutrale Toilette. Ich zitiere: „Deutschland ist ein Irrenhaus. Könnte man die Bundesrepublik überdachen, wäre es eine geschlossene Anstalt.“