„Entscheidend ist, was hinten raus kommt.“ Dieses Bonmot von Helmut Kohl gilt zweifellos auch für die Bildungspolitik: Gute Bildung erkennt man vor allem daran, dass deren Endabnehmer mit der Leistungsfähigkeit der Schulabgänger zufrieden sind. Das ist jedoch immer weniger der Fall. Unisono stellen Hochschulen, Kammern und Betriebe fest: „Das Niveau wird ständig schlechter.“ Der Verlust an Bildungsqualität wird gerade an den Übergängen sichtbar: vom Gymnasium zur Hochschule, von der Schule zur Lehre.

Die AfD-Fraktion hat in der Vergangenheit wiederholt darauf hingewiesen, dass in der rheinland-pfälzischen Bildungspolitik vieles im Argen liegt. Mehr als 28 Jahre SPD-geführte Regierung haben auch hier tiefe Verwerfungen hinterlassen. Und wir haben sehr deutlich formuliert, dass es grundlegender Reformen bedarf, um wieder in die richtige Spur zu kommen.

Leider fehlt dafür bei den anderen Fraktionen dieses Hauses die Einsicht, der Wille oder sogar beides. Die Ampel redet alles schön, um nicht ihr eigenes Versagen eingestehen zu müssen, und spricht dabei in Person der bildungspolitischen Sprecherin der SPD auch schon mal über Studien, die sie gar nicht kennt. Der CDU wiederum mangelt es an Mut, die Probleme an der Wurzel zu packen, weshalb sie unserer Analyse eines defizitären Bildungssystems zwar weitgehend folgt, sich dann aber auf eine wirkungslose homöopathische Therapie beschränken will. So ist es auch kein Wunder, dass unser zukunftsorientierter Antrag zur Wiederherstellung des dreigliedrigen Schulsystems mit der innovativen Handwerks- und Gewerbeschule erst kürzlich hier im Plenum abgelehnt wurde.

Da es uns jedoch um die Sache und mehr noch, um unsere Kinder und damit um die Zukunft unseres Landes geht, wollen wir zumindest im bestehenden System sinnvolle Verbesserungen erreichen. Das größte Sorgenkind ist hier die Realschule plus. Es zeigt sich immer mehr, dass die Abschaffung der Hauptschule ein Fehler war. Die mit dieser Schulform verbundenen Probleme sind nämlich nicht verschwunden, sie haben sich nun auf die Realschule plus verlagert. Faktisch wurde so das Erfolgsmodell der Realschule beseitigt. Zehn Jahre nach Einführung der Realschule plus zieht der Landeselternbeirat deshalb eine ernüchternde Bilanz und spricht von einem „Desaster auf allen Ebenen“.

Auch im IQB-Bildungstrend 2018 spiegelt sich diese Einschätzung wider. Bei den Neuntklässlern, die den Mittleren Schulabschluss anstreben, gab es deutliche Verschlechterungen im Vergleich zur letzten Erhebung im Jahr 2012 – und zwar in Chemie, Physik und Biologie in allen Bereichen: egal ob Mindest- oder Regelstandard, ob Fachwissen oder Erkenntnisgewinn. Das, meine Damen und Herren, ist ein alarmierender Befund! Und wenn die verantwortliche Ministerin die Tatsache, dass über alle Schulformen hinweg fast 60% der getesteten Schüler nicht die Regelanforderungen in Mathematik erreichen, hier im Parlament mit den Worten kommentiert, die Studie zeige, dass wir, so wörtlich, „in Mathematik genau auf dem Weg sind, der wichtig und der richtig ist,“ dann ist das unfassbar, ja es ist eine Bankrotterklärung der eigenen Politik.

Auch die Betriebe sind seit Jahren unzufrieden mit der Qualität vieler Absolventen der Realschule plus. Und gerade angesichts des Fachkräftemangels hat der Niveauverlust verheerende Auswirkungen im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft. Deshalb sagen wir ganz klar: Die Leistungserosion an der Realschule plus muss unbedingt gestoppt werden.

Ein Mittel dazu ist die Einführung einer Abschlussprüfung zum Erwerb des qualifizierten Sekundarabschlusses I nach Klasse 10. Völlig zu Recht fragt Wilfried Rausch im Organ des Verbandes Reale Bildung, Landesverband Rheinland-Pfalz (Ausgabe 3 und 4/2019, S. 29), „warum nur in unserem Land auf eine Abschlussprüfung für den mittleren Bildungsabschluss verzichtet wird“. Denn Prüfungen, das ist jedem aus seiner eigenen Schulzeit bewusst, sind nicht nur gefürchtete Herausforderungen und mit viel Arbeit verbunden, sondern dienen unbestreitbar wertvollen pädagogische Zielen. Sie markieren einen klaren zeitlichen und inhaltlichen Orientierungspunkt, auf den Lehrer und Schüler konsequent hinarbeiten müssen, sie erfordern eine systematische und koordinierte Vorbereitung, bei der frühere Themen noch einmal gründlich wiederholt und aufbereitet werden, sie motivieren auch den faulsten Schüler irgendwann doch zum Lernen und sie lassen viele die enorm wichtige Erfahrung machen, dass Anstrengung sich tatsächlich lohnt. Vor allem aber steigern sie die Leistungsfähigkeit und die Kompetenz der Schüler, und ihre Ergebnisse sind nicht nur hilfreiche, wenn auch gelegentlich schmerzliche Rückmeldungen für die Geprüften, sondern geben zudem wichtige Auskünfte für Betriebe und weiterführende Schulen.

Früher hat man auch in der Landesregierung noch um den Sinn solcher Prüfungen gewusst. Inzwischen hat man nicht nur diese Erkenntnis vergessen, sondern offensichtlich gleich die Erinnerung an die unliebsame Vergangenheit getilgt. Denn trotz mehrerer Anfragen wurde seitens des Bildungsministeriums beharrlich daran festgehalten, dass es in Rheinland-Pfalz nie eine Abschlussprüfung für den Erwerb des qualifizierten Sekundarabschlusses I gegeben habe – auch nicht an den berufsbildenden Schulen! Das jedoch ist nachweislich falsch: Hier sind Abschlussprüfungen für die Mittlere Reife, aus den Jahren 1988, 1991 und 1996, Fach Mathematik, Berufsfachschule Hauswirtschaft, mit einem erstaunlich hohen Niveau, das heute in vergleichbaren Bildungsgängen nicht mehr annähernd erreicht wird. Es gab früher also durchaus solche Examina. Aber dann wurden unter den SPD-geführten Landesregierungen die Ansprüche immer weiter heruntergeschraubt und dabei auch die Abschlussprüfungen abgeschafft.

Wir wollen sie wieder einführen. Wir wollen damit eine Bildungswende einleiten und zugleich den Mittleren Schulabschluss aufwerten. Und wir wollen so die Voraussetzungen für eine erfolgreiche berufliche Zukunft unserer Kinder und für die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Rheinland-Pfalz schaffen.