Rund ein Viertel der Grundschüler in Rheinland-Pfalz erfüllt am Ende der vierten Klasse nicht einmal die Mindestanforderungen in der Rechtschreibung. Diese bittere Erkenntnis brachte uns die IQB-Studie 2016. Seit Freitag liegt nun der Bildungstrend 2018 für die Neuntklässler vor. Und der ist für Rheinland-Pfalz nicht weniger niederschmetternd. 27,2 Prozent verfehlten den Mindeststandard im Fach Mathematik. Hier gab es deutliche Verschlechterungen gegenüber der letzten Erhebung im Jahr 2012. Bei den Schülern, die den Mittleren Schulabschluss anstreben, gilt dies auch für die Fächer Chemie, Physik und Biologie, wo teilweise massive Einbrüche zu verzeichnen sind.

Im Bereich Mathematik lässt sich die Entwicklung wie folgt zusammenfassen: Scheiterten 2012 24,3% an den Mindeststandards, waren es nun 27,2. Dem Regelstandard genügten 2012 46,3 Prozent, jetzt nur noch 40,5. 6 von 10 Schülern schafften ihn also nicht. An den Gymnasien wurde er 2012 noch von 87,1 Prozent erreicht, jetzt erfolgte ein Absturz auf 79,6.

Damit ist Rheinland-Pfalz durchgehend schlechter als der Bundesdurchschnitt. Dabei wurde nicht einmal tiefergehendes Fachwissen aus dem Lehrplan der Klasse 9 abgefragt: kein Rechnen mit Wurzeln oder Potenzen, weder Strahlensätze noch Pythagoras, keine quadratischen Funktionen oder Gleichungssysteme: nichts von all dem findet sich in den Beispielaufgaben, die veröffentlicht wurden. Stattdessen simple Fragen, die zum größten Teil mit wenigen Grundrechenschritten, einfachen Skizzen oder dem Ablesen aus Tabellen lösbar waren.

Meine Damen und Herren, dieses Ergebnis ist auch deshalb eine Katastrophe, weil Deutschland selbst allenfalls noch Mittelmaß ist. TIMSS-Studie 2015 und Iglu 2016 sind Belege dafür.

Selbst dort, wo die Landesregierung in der Vergangenheit immer eine Stärke des rheinland-pfälzischen Bildungssystems sah, ging es bei IQB 2018 bergab: Entgegen dem Bundestrend hat sich die Kopplung zwischen den mathematischen Kompetenzen und dem sozioökonomischen Status der Familien verschlechtert. Die soziale Herkunft der Kinder wirkt sich in einem zentralen Bereich wieder mehr auf den Bildungserfolg aus als dies noch 2012 der Fall war. Auch hier gibt es also eine negative Entwicklung.

Nicht nur Bayern ist Rheinland-Pfalz enteilt, und das, obwohl seit dem Schuljahr 2008/2009 vier zusätzliche Wochenstunden vor allem die mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung stärken sollten. Das hat offenkundig nichts gebracht.

Zu Recht kommentiert Cornelia Schwartz, Vorsitzende des Philologenverbandes, die Ergebnisse der IQB-Studie wie folgt – ich zitiere: „Da nützt es auch nichts, wenn das Ministerium von Tag zu Tag neue MINT-Regionen und MINT-Wettbewerbe ausruft …. Gelernt wird an den Schulen. Wenn dort die Lehrkräfte und die Stunden insbesondere für die MINT-Fächer fehlen, sind alle anderen Maßnahmen auf Sand gebaut.“ Zitatende

Unterrichtsausfall, fehlende oder fachfremde Lehrer in Mathematik und Naturwissenschaften sind das eine – mangelnde Effizienz das andere. Um sie zu steigern, brauchen wir mehr Differenzierung im System. Damit erhöht sich der -Lernerfolg – auch das hat die IQB-Studie gezeigt. Ich zitiere erneut die Vorsitzende des Philologenverbandes: „Zehn Jahre nach der Abschaffung der Hauptschule bekommen wir nun die Auswirkungen dieser Schulreform erst voll zu spüren“. Und sie fährt fort: „Das gegliederte Schulsystem muss endlich wieder gestärkt werden, zum Beispiel durch Zugangsbeschränkungen zum Gymnasium, von denen auch die Realschule plus profitieren würde.“ Zitatende

Das geht natürlich nur über eine verbindliche Grundschulempfehlung – so wie wir das im vergangenen Plenum vorgeschlagen haben, und wie es in Bayern praktiziert wird.

Deshalb werden wir nicht locker lassen. Wir werden die von uns geforderte Bildungswende 2021 beharrlich weiter verfolgen. Dazu werden wir schon bald einen neuen Antrag einbringen, mit dem wir eine Abschlussprüfung zum Erwerb des Mittleren Schulabschlusses in der Realschule plus einführen wollen.

Meine Damen und Herren, die AfD steht als einzige Partei für eine grundlegende Reform des rheinland-pfälzischen Bildungssystems. Die Ampelkoalition ist verantwortlich für die Misere, die wir jetzt erleben. Aber auch von der CDU ist keine nachhaltige Verbesserung zu erwarten. Sie beschränkt sich auf kosmetische Korrekturen und vor allem auf die Forderung nach mehr Geld. Und sie ist auch bildungspolitisch flexibel, wie das Beispiel Hessen zeigt: Schwarz-grün hat hier im Koalitionsvertrag die Notenpflicht abgeschafft. Leistungsfeindliche Ideologie von links wurde so durch die CDU übernommen. Gleiches droht nun den Sachsen.

Für uns als AfD dagegen ist das Motto klar: Gute Bildungspolitik setzt auf differenzierte Förderung und Leistung statt auf Gleichmacherei und Vielfaltsideologie. Nur so können wir verhindern, dass es zuerst mit der Bildung und dann auch mit unserem Land weiter abwärts geht!