Als im Frühjahr diesen Jahres die Kitas in ganz Rheinland-Pfalz für die meisten Kinder geschlossen blieben, war dies eine schwierige und herausfordernde Zeit für viele Familien im Land.

Vor allem für die Kleinen bedeutete es eine große Umstellung und eine Menge Verzicht. Kein tägliches Spielen mit den anderen Kindern mehr, kein Singen und Lesen mit den Erzieherinnen, kein gemeinsames Mittagessen mit festen Ritualen, und für einige auch kein Austoben im Freien und an der frischen Luft mehr.

Denn je nach Lebens- und Wohnsituation mussten Familien teils auf engem Raum zusammenrücken. Das brachte mehr Gemeinsamkeit, aber es verlief auch nicht immer reibungslos und konfliktfrei. Zudem war dieser erste Lockdown für die Eltern oft mit materiellen und psychischen Belastungen verbunden. Kurzarbeit und Angst vor Arbeitslosigkeit, Existenzsorgen und das Gefühl, auf die eigenen vier Wände beschränkt zu sein, machte den Menschen zu schaffen. Und nun, im zweiten Lockdown, sind all diese Sorgen schlagartig zurückgekehrt – mit Ausnahme der Betreuungsfrage. Denn wenigstens in diesem Punkt scheint die Landesregierung dazu gelernt zu haben. Im Frühjahr überantwortete man den Eltern nicht nur die 24-Stunden-Betreuung aller Kita- und Schulkinder, sondern legte auch noch die komplette Bearbeitung des anstehenden Schulstoffs in ihre Hände. Damit schaffte man eine Ausnahmesituation, die viele Familien an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit und mitunter sogar darüber hinaus brachte.

Umso größer war die Erleichterung, als Ende Mai endlich eine stufenweise Öffnung der Kitas durch die Bildungsministerin in Aussicht gestellt wurde. Wieder einmal zeigte sich: AfD wirkt! Denn einige Wochen zuvor hatte unsere Fraktion darauf gedrängt, den Kita-Betrieb – unter Einhaltung von Hygienekonzepten und Sicherheitsregeln – überall dort schnellstmöglich wieder aufzunehmen, wo es aus gesundheitlicher Sicht verantwortbar erschien.

Schon damals wiesen mehrere renommierte medizinische Fachgesellschaften auf einen entscheidenden Punkt hin: Kitas und Schulen sind keine Corona-Hotspots, solange gewisse Regeln beachtet werden. Diesen wichtigen Befund bestätigte jüngst eine Studie der Goethe Universität in Frankfurt, die über 12 Wochen hinweg 800 Kinder in 50 hessischen Einrichtungen regelmäßig testete. Ergebnis: Die Infektionsgefahr für Kinder ist glücklicherweise „extrem gering“.

Trotz dieser Tatsache und rückläufiger Infektionszahlen dauerte es im Sommer noch sage und schreibe 2 Monate, ehe die Landesregierung endlich ein praktikables Corona-Gesamtkonzept ausgearbeitet hatte, das allen Kitas in Rheinland-Pfalz Anfang August die Rückkehr zum echten Regelbetrieb ermöglichte.

Seitdem sind es vor allem Kommunen und Kita-Träger, die sich in gemeinsamer Verantwortung vor Ort nach Kräften darum bemühen, dass temporäre Gruppenauflösungen oder sogar vorübergehende Schließungen ganzer Einrichtungen bisher die Ausnahme geblieben sind. So wies das „Corona-Kita-Dashboard“, welches vom Deutschen Jugendinstitut, dem RKI und dem Bundesgesundheitsministerium betrieben wird, für Rheinland-Pfalz Ende Oktober eine Versorgungsquote von 79% aus.

Allerdings traten zuletzt in einzelnen Einrichtungen häufiger Infektionsfälle auf, die dann regelmäßig in einer 14-tägigen Schließung mündeten, wie die Rheinzeitung am vergangenen Sonntag berichtete. Fast immer handelte es sich bei den Infizierten um einzelne Erwachsene. Vor diesem Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, warum betroffene Kitas für Wochen komplett geschlossen werden anstatt alle Kontaktpersonen –inklusive der Kinder und Eltern – durchzutesten, um den Regelbetrieb weitgehend lückenlos fortführen zu können.

Für uns als AfD-Fraktion war es richtig und wichtig, die Kitas im aktuellen Lockdown kein zweites Mal flächendeckend zu schließen. Wir fordern die Landesregierung daher nachdrücklich auf, ihre Teststrategie in der Kinderbetreuung der aktuellen Infektionslage anzupassen und bei auftretenden Fällen umfangreicher zu testen. Denn Kinder und Eltern verdienen größtmögliche Normalität sowie ein hohes Maß an Verlässlichkeit in dieser herausfordernden Zeit. Und vergessen wir auch nicht die überaus engagierte Arbeit hunderter Kita-Leitungen und tausender Erzieherinnen und Erzieher in Rheinland-Pfalz, die überhaupt erst wieder Sicherheit in den Kita-Alltag zurück gebracht haben. Dafür möchten wir ihnen an dieser Stelle unseren besonderen Dank aussprechen. Und wir fordern die Landesregierung auf, ihrerseits alles dafür zu tun, um Eltern, Kindern und KiTa-Mitarbeiterinnen in dieser schwierigen Situation zu unterstützen. Mehr dazu in der zweiten Runde!

 

 

Weitere Kurzintervention:

Der Kita-Fachkräfteverband RLP hat verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen, um das Infektionsrisiko in der Kindertagesbetreuung zu minimieren. Dazu gehört der Wunsch nach geschlossenen Gruppen, weil bei offenen Gruppen im Infektionsfall alle in Quarantäne müssten – einschließlich der Erzieher. Allerdings verweisen sie auch darauf, dass dies aus pädagogischen Gründen problematisch und zudem bei regulären Öffnungszeiten mit den bestehenden Personalressourcen schlichtweg nicht möglich sei. Wir appellieren daher an die Landesregierung, entweder vorübergehend für mehr Personal zu sorgen oder aber eingeschränkte Öffnungszeiten zu erlauben und diese Regelung dann auch gegenüber Eltern und Trägern eindeutig zu kommunizieren. Denn es kann nicht sein, dass es wieder einmal den KiTas vor Ort überlassen wird, Entscheidungen auszubaden, die vom Bildungsministerium getroffen worden sind. Hier hat die Landesregierung in den vergangenen Monaten vieles versäumt und damit den ohnehin stark belasteten Mitarbeitern unserer Kindertagesstätten zusätzlichen Ärger aufgebürdet.

Und auf noch eines weisen die Einrichtungen hin: Beschlüsse und amtliche Schreiben des Ministeriums seien oft erst freitags an die KiTa-Leitungen versandt worden. Infolgedessen mussten diese am Wochenende über neuen Regelungen und Plänen brüten, die dann schon montags in der KiTa umgesetzt werden sollten. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern zeugt von einem wenig wertschätzenden Umgang mit hoch engagierten Erzieherinnen in einer schwierigen Ausnahmesituation. Hier fordern wir von der Landesregierung den gleichen Einsatz und die gleiche Verlässlichkeit, die sie auch von den Menschen erwartet, die tagtäglich an vorderster Front kämpfen. Denn wie heißt es so schön auf der Homepage des KiTa-Fachkräfteverbandes, ich zitiere: „Wir … wissen um die Bedeutung unserer Einrichtungen für die Kinder und ihre Familien. Wir sind bereit, unseren Beitrag zur Bewältigung der Krise zu leisten. Unmögliches können aber auch wir nicht möglich machen!“ Ich danke Ihnen!