Note „mangelhaft“: So beurteilt der rheinland-pfälzische Landeselternbeirat in einer Pressemitteilung vom 17.Dezember 2018 anlässlich des 10.Jahrestages der Einführung der Realschule plus die Situation dieser Schulform in unserem Land. In der Notenbegründung des Beirats, der über 700.000 Eltern repräsentiert, heißt es unter anderem, das Land habe keine Maßnahmen gegen die zunehmenden Probleme der lange Zeit bewährten Hauptschule ergriffen und das sich anbahnende Desaster durch deren vollständige Beseitigung ohne Anhörung von Lehrern, Eltern und Schülern besiegelt. Gleichzeitig habe man mit der Realschule auch eine zweite, bis dahin sehr geschätzte Schulart in der vagen Hoffnung zu Grabe getragen, durch eine bloße Zusammenlegung beider Schularten zur Realschule Plus könne man alles verbessern. Doch welcher Mensch, so die Elternvertretung wörtlich, käme … auf die Idee anzunehmen, bei der Zusammenlegung einer Regionalligamannschaft mit einer Kreisklassemannschaft zu einer „Regionalligamannschaft plus“, könnten plötzlich alle Kreisklassespieler wie durch ein Wunder Regionalliganiveau erreichen.“ Zitatende

Nur wenige Tage später sprangen mehrere Lehrkräfte den Eltern zur Seite. In einem Gespräch mit dem pfälzischen Merkur beklagten schulleitungserfahrene Lehrer aus der Realschule plus das Aus eines gut funktionierenden Realschulsystems und kritisierten zahlreiche Missstände in der neuen Struktur. Und schaut man sich die Anmeldezahlen an, dann zeigt sich hier eine klare Abstimmung mit den Füßen: Seit 2009 ist die Zahl der Schüler an den Realschulen im Land um mehr als 42000 oder ein Drittel gesunken.

All das, meine Damen und Herren, ist eine schallende Ohrfeige für die Landesregierung und insbesondere die SPD, deren Ministerinnen seit langem die Bildungspolitik verantworten. Daran ändert auch die reflexartige Reaktion der SPD-Fraktion nichts, deren bildungspolitische Sprecherin einmal mehr textbausteinartig vor einem Schlechtreden der bestmöglichen aller Schullandschaften warnte und die Stellungnahme des LEB in der üblichen Ignoranz als „markige Worte“ abtat. Dabei hatte die Ministerpräsidentin noch vor zwei Jahren den Landeselternbeirat als unabhängigen Partner des Bildungsministeriums gelobt und dessen Arbeit als wichtig und wertvoll bezeichnet. Wir nehmen die Kritik der Eltern sehr ernst: Wenn ihr Vertreter von einem Desaster auf allen Ebenen sprechen und Lehrer sich um die Zukunft ihrer Schulart sorgen, dann besteht dringender Diskussions- und Handlungsbedarf und genau deshalb haben wir dieses Thema heute zur aktuellen Debatte gemacht.

Auch wir halten die Abschaffung der Hauptschule für einen gravierenden Fehler. Schon 2007, kurz nachdem die Pläne bekannt geworden waren, warnten Experten wie der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, vor den Folgen. Bayern ist einen anderen Weg gegangen als Rheinland-Pfalz. Die Hauptschule – in Mittelschule umbenannt – blieb erhalten. Zum Segen der bayerischen Wirtschaft. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft sieht die Hauptschule als einen „zentralen Pfeiler zur Nachwuchssicherung“ und als einen „guten Einstieg in die duale Ausbildung“. Dagegen ist die ungebremste Akademisierung und die damit einhergehende fortschreitende Schwächung der beruflichen Bildung das größte Hindernis für die Sicherung der Fachkräfte. Nicht umsonst klagen HWK´s und IHK´s zunehmend über Fehlentwicklungen in der Bildungspolitik. Prof. Julian Nida-Rümelin, Philosoph und ehemaliger Staatsminister, warnt gar vor dem Tod des dualen Systems. Dabei ist die duale Ausbildung ein ausgesprochener Exportschlager und die unbestrittene Basis des beispiellosen deutschen Wirtschaftserfolgs.

Was ist zu tun?
Wir benötigen dringend eine praxisorientierte Bildungseinrichtung. Um den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden, reicht es jedoch nicht aus, die früher existierende Hauptschule wieder zu beleben. Erforderlich ist vielmehr eine Schulform, die den Kindern und Jugendlichen gerecht wird, die ihre Stärken im handwerklichen Bereich haben. Berufliche Praxis und eine solide Grundbildung, insbesondere in Deutsch und Mathematik, sollten an einer solchen Schule im Vordergrund stehen. Wir denken hier in Richtung einer Werkschule oder mit Einschränkungen an die Werkrealschule, wie sie vor einigen Jahren in Baden-Württemberg eingeführt wurde.
Wenn die Bildungsministerin denjenigen, die jetzt Kritik üben, vorwirft, sie würden damit die Eltern verunsichern, dann macht sie es sich wieder einmal zu einfach. Die von Eltern, Lehrern und Wirtschaft einmütig aufgezeigten Probleme sind gewaltig. Sie müssen angegangen werden und deshalb muss sich die Landesregierung in dieser Frage bewegen.
Die AfD-Fraktion wird dazu schon bald konkrete Vorschläge unterbreiten und noch in diesem Jahr einen dementsprechenden Antrag ins Plenum bringen.

2. Runde:
Was Ministerin Hubig und Frau Kazungu-Haß eben hier vorgetragen haben, folgte wieder einmal der üblichen Strategie: Wegsehen, ignorieren, relativieren, schönreden: Leistungsdefizite beim Lesen und Schreiben in der Grundschule: andere sind noch schlechter. Sinkendes Niveau im Gymnasium: gibt es nicht. Stundenausfall und fachfremder Unterricht? Marginal. Überlastete Lehrer und unzufriedene Eltern: Erfindungen der Opposition. Von einem Eingestehen der Probleme als notwendiger Voraussetzung zu deren Lösung sind Ampelfraktionen und Landesregierung Lichtjahre entfernt. Ich stimme daher dem VBE-Landesvize Lars Lamowski zu, wenn er just heute in der Presse beklagt, manchem Kollegen komme die Informationspolitik des Landes „wie die DDR vor“ und wenn er dann wörtlich sagt, ich zitiere: „Nach außen läuft alles bestens, innerhalb des Systems aber gar nichts zusammen.“ Das ist ein erschütternder Befund, aber er kommt der Realität leider sehr nahe.

Meine DuH, eine gute Schule muss den unterschiedlichen Begabungen und Neigungen der Schüler gerecht werden. Deshalb lehnen wir alle Arten von Gesamt- und Einheitsschulen ab. Wir sind für mehr Differenzierung und stützen uns dabei unter anderem auf die Ergebnisse der NEPS-Studie des Mannheimer Soziologen Hartmut Esser. Sein Befund ist eindeutig: Wenn Homogenität UND strikte Leistungsdifferenzierung zusammen kommen, dann profitieren davon gerade die schwächeren Schüler, aber letztendlich gewinnen alle. Deshalb genügt es nicht, die Folgen von Fehlentwicklungen mit viel Geld zuzudecken. Man muss vielmehr die Probleme an der Wurzel beheben und unser Schulsystem wieder so organisieren, dass es in die richtige Richtung läuft und dass es unserer Gesellschaft von Nutzen ist. Dafür brauchen wir eine grundlegende Reform, die durch stärkere Differenzierung zu besseren Leistungen und mehr Zufriedenheit bei allen führt. Genau das wollen die Eltern, sonst hätten wir nicht den unverminderten Ansturm auf die Gymnasien. Und genau das ist auch die Forderung, die von Handwerk und Industrie vehement vorgetragen wird, weil hier die Folgen unserer verfehlten Bildungspolitik am stärksten und am schnellsten zu spüren sind.