Ich beschränke mich in meinen Ausführungen auf das Thema Brubach, weil diese Frage für die Haltung meiner Fraktion zum FNP ausschlaggebend ist. Wir stehen heute hier vor einer weitreichenden Entscheidung, die das Gesicht unserer Stadt langfristig prägen wird. Es ist eine Entscheidung, über die leidenschaftlich diskutiert wurde, die zu einem großen Engagement in der Bürgerschaft geführt hat und deren Ausgang viele außerordentlich bewegt.

Wir als AfD-Fraktion haben in dieser Debatte von Anfang an klar Stellung bezogen: Eine Bebauung des Brubacher Hofes ist weder notwendig noch sinnvoll. Es gibt keine zwingenden Gründe, sie zum jetzigen Zeitpunkt festzuschreiben, gleichzeitig schafft sie vielfältige Probleme, für die es keine wirklichen Lösungen gibt. Diese Probleme aufzuzählen, hieße Eulen nach Athen tragen. Sie sind immer und immer wieder benannt worden – nicht nur von den unmittelbar Betroffenen, sondern auch von Fachverbänden, Gutachtern und anderen Experten. Das gilt für den Natur- und Artenschutz, der in erheblichem Maße gefährdet ist, das gilt für die mangelnde Verkehrserschließung, die mit Zauberkreiseln und anderen punktuellen Maßnahmen nicht zu lösen sein wird, das gilt für die klimatischen Verschlechterungen, die zumindest nicht ausgeschlossen werden können. Und das gilt auch für den unwiederbringlichen Verlust einer wertvollen Natur- und Kulturlandschaft, die schon Generationen von Trierern als Naherholungsgebiet gedient hat. All das steht hier auf dem Spiel und deshalb bedürfte es schon sehr schwerwiegender Gegenargumente, um die unbestreitbaren Nachteile aufzuwiegen.

Genau diese Argumente aber gibt es nicht. Die von der Verwaltung angeführte Bevölkerungsentwicklung und der daraus angeblich resultierende dringende Wohnraumbedarf sind alles andere als sicher. Eine Untersuchung der Universität Trier aus dem Jahr 2015 spricht ausdrücklich von Unsicherheiten in der demographischen Entwicklung, die Aussagen der verschiedenen Studien schwanken erheblich.

Zugleich stehen durch Nachverdichtung und bereits beschlossene Baugebiete an anderer Stelle sehr wohl Baulandreserven zur Verfügung. So ist es nicht auszuschließen, dass wir mit einer Bebauung des Brubacher Hofes ein Überangebot schaffen, das dann zu einer Verödung der Ortskerne in den Stadtteilen führt, wo es bereits jetzt Leerstände im Altbaubereich gibt. Zudem verstärken wir die Entwicklung hin zur Konzentration auf wenige Metropolen, was den für RLP wichtigen ländlichen Raum schwächt und daher auch nach Auffassung der Naturschutzverbände BUND und NABU einer nachhaltigen Regionalentwicklung widerspricht.
Die Schreckensszenarien, mit denen teilweise vor einer Ablehnung des geplanten Baugebietes gewarnt wurden, halten wir für vollkommen unangemessen. Wenn etwa der Baudezernent behauptet, die sozialen Spannungen in der Gesellschaft würden sich verstärken und den Trierern drohe ein geringerer Wohnstandard, ja eine sinkende Einwohnerzahl… würde uns alle teuer zu stehen kommen, dann schürt das Ängste und ist weniger seriöse Argumentation als Stimmungsmache. Und wenn unser Oberbürgermeister davon spricht, das geplante Baugebiet biete eine Chance auf mehr Heimat in Trier, dann widersprechen wir auch ihm sehr deutlich: Nein Herr Leibe, dieses Projekt schafft nicht mehr Heimat, sondern weniger. Dieses Baugebiet zerstört ein wertvolles Stück Trier unwiederbringlich und verringert so die Lebensqualität für uns alle beträchtlich!

Meine DuH, als konservative Partei steht die AfD für die Bewahrung von Heimat, Kultur und Natur. Dazu gehört das Maßhalten und manchmal auch der Verzicht. Wir setzen auf Qualität vor Quantität. Immer mehr Bodenversiegelung, fortschreitender Naturverbrauch, steigende Verkehrs- und Lärmbelastung gehen letztlich zu Lasten der hier lebenden Menschen. Wenn wir die Lebensqualität unserer Stadt bewahren wollen, dann sollten wir den Mut haben, bescheidener zu sein. Ein Baugebiet „Brubacher Hof“ ist für eine positive Stadtentwicklung nicht nur nicht notwendig, sondern steht ihr sogar ausdrücklich im Wege. Wir appellieren daher an Sie alle, die langfristigen Folgen sorgfältig abzuschätzen und ihrer Verantwortung für die kommenden Generationen gerecht zu werden. Damit Trier auch in Zukunft lebenswert bleibt!

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