Das Thema „Erinnerungskultur“ spielt eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft und auch in unserer Stadt. Insbesondere die Verbrechen des Nationalsozialismus und deren Opfer werden mit vielfältigen Initiativen und Aktionen immer wieder in den Focus gerückt. Das ist richtig und wichtig so und findet unsere uneingeschränkte Unterstützung. Dieses Erinnern verdienen nicht nur die, die unter diesen Verbrechen gelitten haben und die nicht vergessen werden dürfen, nein, es ist auch deshalb unverzichtbar, damit wir aus der Vergangenheit lernen und gemeinsam dafür sorgen, dass sich solche schrecklichen Ereignisse nie mehr wiederholen.

Allerdings müssen wir gerade mit dem Blick darauf bedenken, dass die Geschichte unseres Landes und die Geschichte Europas nicht nur aus jenen dunklen 12 Jahren besteht, die wir heute in das Zentrum unserer Erinnerungskultur stellen. Diskriminierung, Unterdrückung und Gewalt gab es auch zu anderen Zeiten und es gab sie auch durch linksextremistische totalitäre Systeme. Und dass auch in unserer Zeit eine von linken Ideologien motivierte Gewalt existiert, die allerdings oft verharmlost oder gar verschwiegen wird, belegen nicht nur Staaten wie Nordkorea oder China, sondern auch die Ereignisse rund um den G20-Gipfel in Hamburg im vergangenen Jahr. Deshalb brauchen wir über den antifaschistischen Grundkonsens hinaus einen umfassenden Antitotalitarismus, der jede Art der Unterdrückung von Freiheit, Demokratie und Menschenwürde konsequent bekämpft.

In diesem Sinne stellen wir heute den Antrag, die im Karl-Marx-Gedächtnisjahr 2018 geplanten Aktionen um eine Veranstaltung zu erweitern, die exemplarisch auch der vielen Opfer marxistisch-kommunistischer Gewaltherrschaft gedenkt. Dazu eignet sich die von uns vorgeschlagene Ausstellung „Verbrechen an den Donauschwaben in Jugoslawien 1944-1948“ in besonderer Weise. Denn vor genau 70 Jahren wurden die Lager für die Donauschwaben in Jugoslawien aufgelöst. In diesen Lagern wurden mindestens 170.000 Menschen interniert, über 50.000 starben in Folge von Gewalt, Hunger oder Seuchen. Von den ursprünglich 550.000 Donauschwaben gibt es heute nur noch rund 4000. Viele von ihnen und ihre Nachkommen leben heute in Rheinland-Pfalz. Auch gibt es noch Zeitzeugen dieser furchtbaren Lager wie beispielsweise Josef Jerger, den in Ludwigshafen wohnhaften Ehrenvorsitzenden der Landsmannschaft der Donaudeutschen. Jerger war als Kind in Rudolfsgnad, dem Vernichtungslager mit den meisten Toten (11 000), interniert und erlebte hautnah mit, wie sowohl seine Großmutter als auch seine Urgroßmutter ums Leben kamen. „Das sind Bilder, die man nicht vergisst“, kommentierte Jerger seine Erinnerungen an das Lagergrauen im Rahmen der Ausstellung in Haßloch im Juli 2017. Ein besonderer Bezug zu unserer Stadt ergibt sich dadurch, dass die Gegend um Trier im 18. Jahrhundert ein wichtiges Anwerbegebiet der Habsburger mit dem Ziel war, Deutsche im Königreich Ungarn anzusiedeln, die dann später „Donauschwaben“ genannt wurden.

Meine Damen und Herren, gerade Trier als Geburtsort von Karl Marx, einem der Väter des Kommunismus, sollte sich mit der Wirkungsgeschichte der marxistischen Ideologie eingehend und kritisch auseinandersetzen. Dies gilt nicht zuletzt deshalb, weil dem 200. Geburtstag von Karl Marx große Aufmerksamkeit zu Teil wird, ohne dass die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft eine angemessene Berücksichtigung finden. Ganze zwei der über 350 Veranstaltungen im Rahmen des Jubiläumsjahres beschäftigen sich mit ihrem Schicksal. Die von uns angeregte Ausstellung könnte diese schmerzliche Lücke zumindest zu einem kleinen Teil schließen und deshalb bitten wir um Zustimmung zu unserem Antrag.

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